Mit welchen Inhaltsstoffen kann ich einen fängigen Boilie herstellen?

Was lockt die Fische an den Platz und warum bleiben oder gehen sie wieder?

Dieser Beitrag behandelt im ersten Teil die natürliche Nahrung des Karpfens sowie sein Fressverhalten und im zweiten Teil die Einzelfuttermittel, aus denen wir wählen können, um einen fängigen Boilie herzustellen. Wir befassen uns auch um Themen wie Verarbeitung und Konservierung.

Da sind zunächst die Grundfragen die sich ein Karpfenangler, der mit Boilie fischen möchte, stellen sollte:


Was frisst ein Karpfen?

Im Grunde genommen ist ein Karpfen ein Allesfresser und hat in seinem Element eine große Bandbreite an Fressbarem. Die Art der Nahrung, die zu finden ist, ist grundsätzlich vom Gewässer und der Jahreszeit abhängig. Nahrung im Wasser gibt es in tierischer und pflanzlicher Form. Bachflohkrebse, Zuckmückenlarven und Muscheln sind wohl die am häufigsten in natürlichen Gewässern vorkommende tierische Nahrung.

An Seen in Frankreich ist schon beobachtet worden, dass Karpfen Steinhaufen aufwühlen, um dann den aufgescheuchten Krebsen hinterherzujagen – hier wurden schon Karpfen mit Gummifischen gefangen!

Auch pflanzliche Nahrung kann den Karpfen einen reich gedeckten Tisch bieten. In Gewässern finden sich grundsätzlich Algen und andere planktonartige Stoffe. Am Ufer stehende Bäume lassen zusätzlich Nahrung ins Wasser fallen: Eicheln, Beeren, Nüsse und andere Saaten.


Die Diät

Genau wie wir Menschen hat auch der Karpfen einen bestimmten Bedarf an Nährstoffen. Nahrung besteht grundsätzlich aus Proteinen - also Eiweißverbindungen - Fetten, Kohlehydraten und Ballaststoffen.

Gerade die Proteine sind für ein gutes Wachstum insbersondere der Muskeln erforderlich. Proteine werden insbesondere durch die tierische Nahrung, aber auch durch pflanzliche Stoffe geliefert.

Kohlehydrate bringen schnelle Energie und wirken sättigend. Kohlehydrate sind Stand der Wissenschaft von Karpfen nicht wirklich gut verwertbar. Futter bzw. Köder wie Mais stellt so gesehen für den Fisch selbst eine zweitrangige Nahrung dar, aber wie uns Menschen schmecken auch dem Rüssler eben genau diese Dinge am besten!

Fette sind gerade beim Vorfressen für die Winterruhe von großer Bedeutung – wer ein Drittel des Jahres kaum Nahrung aufnimmt, braucht eben auch ein gutes Fettpolster. Fette verstecken sich insbesondere in Saaten wie z.B Hanfsamen und Nüssen.


Futtermittel und Zusätze

Um dem Karpfen in Form eines Boilies eine Alternativnahrung zu bieten, bedarf es mehrerer Einzelfuttermittel, um einen für den Fisch entsprechend attraktiven Mix herzustellen. Je nach Jahreszeit können unterschiedliche Verhältnisse von Protein / Kohlehydrat sowie fischig-herbem oder fruchtig-süßem Aroma von Bedeutung sein. Bei der Boilie-Produktion werden hauptsächlich mehlige Stoffe verwendet. Dies ist notwendig um einen Teig herzustellen, der zu einer Kugel verarbeitet werden kann.


Proteinhaltige Futtermittel

Eines der wichtigsten Einzelfuttermittel für Boilies ist Fischmehl. Dieses gibt es in in vielen Ausführungen als Mischfischmehl, Sardellenmehl, Lachsmehl, Krillmehl, Rotbarschmehl uvm. Proteingehalte von 65 % bis 80 % versprechen ein proteinhaltiges Futter und geben zeitgleich Lockstoffe in Form von fischigem Aroma ab. Der Anteil im Mix kann bis zu 70 % betragen.

Milchpulver, auch Vitamelo genannt gibt es in vielen Qualitätsstufen. Auch dieses Mehl zeugt von einem hohem Anteil an tierischem Protein. Die gute Wasserlöslichkeit und die süße Traubenzuckernote machen es zu einem Allrounder in der Boilie-Produktion. Um den Boilie nich allzuschnell aufzulösen, wird eine Dosierung von max 15 % im Mix empfohlen. Möchte man Boilies für Kurzansitze mit sehr schneller Lockstoffabgabe, kann man diesen Wert aber um ein Mehrfaches übersteigen.

Sojaprodukte wie z.B. Sojamehl als Vollfett oder entfetteter Sorte haben einen hohen Anteil an pflanzlichem Protein – bis zu 80 %. Das Sojamehl hat den Vorteil, gute Bindeeigenschaften zu besitzen und nimmt somit einen wichtigen Platz im Mix ein. Bedacht werden sollte der nussige Geschmack, der schnell anderen Aromen überwiegen kann.

Zusätzlich kann man als Protein und Geschmacksträger noch ganze Tiere mit einbringen, wie z.B. Bachflohkrebse, Würmer, Maden und eben all das Getier, das der Karpfen gerne frisst und das schon seit grauer Vorzeit als Fischköder verwendet wurde.

Casein ist bekannt aus der Bodybuilder-Szene und hat den wohl höchsten Proteingehalt. In vielen Boilie-Rezepten wird das Casein mit bis zu 12 % im Mix erwähnt. Casein ist aber genau aus Gründen des Sportzusatzes extrem teuer und macht mit Preisen von bis zu 20 Euro pro Kilogramm den meisten Boilie-Rollern einen dicken Strich durch die Rechnung.


Kohlehydrate

Maismehl ist ein sehr günstiges Futtermittel und auch ein guter Binder für den Boilie-Mix. Es ist fast überall für unter zwei Euro pro Kilogramm zu bekommen und gibt dem Boilie zudem eine offenere Struktur, um die Lockstoffe schnell an das Wasser abzugeben. Hart- oder Weichweizengries ist ein sehr günstiges Futtermittel und zudem gut verarbeitbar. Gries ist grundsätzlich überall zu bekommen und mit ca 1,20 Euro pro Kilorgramm sehr günstig.


Fette und Geschmacksträger

Nussmehle wie Erdnussmehl und auch das Mehl der Hülsenfrucht Tigernuss geben dem Boilie einen sehr nussigen, vollen Geschmack und sind gleichzeitig ein guter Fettträger. Gerade Fette waschen sich in wärmerem Wasser sehr gut aus und bilden eine Lockstoffwolke um den Köder.

Hanfmehl oder geschroteter Hanf ist ein sehr wertvoller Boilie-Bestandteil. Das Öl des Hanfsamens ist verantwortlich für Lockstoffabsonderungen, hat aber den größten Vorteil in seiner Eigenschaft als Verdauungsbeschleuniger. Ein Karpfen, der schneller verdaut, kann schneller wieder Futter zu sich nehmen und somit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er den Köder aufnimmt. Bierhefe steigert diesen Effekt noch etwas. Schon 5 % im Mix steigern die Verdauung der Fisches um ein Vielfaches. Bierhefe ist ein wahrer Wunderstoff, um die Effizienz eines Boilies zu steigern.